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Weinlagerung: 4. von 6 Schlüssel-Faktoren: Luftfeuchtigkeit

humid wine cellar

 

Welches ist eigentlich die ideale Luftfeuchtigkeit für Wein?

Im Prinzip je feuchter desto besser. Wir kennen das von den Weinkellern und Lagern von so manchem Weinproduzenten. Da liegen Fässer und Flaschen in feuchten bis hin zu tropfnassen Gewölben, Kellern oder gar Höhlen. Die Luft hat in solcher Umgebung nicht selten einen Feuchtigkeitswert von 90% oder mehr. Und oft findet man an diesen Orten Schimmel an den Wänden, in den Ecken, manchmal auch an schon lange lagernden Flaschen.
Und hier beginnt das Problem: Man möchte seinen Wein im eigenen Keller oder Weinkühlschank möglichst ideal, also kühl und mit genügend Luftfeuchte lagern, jedoch gerne ohne die lästigen Nebeneffekte wie Schimmel, stehende Nässe oder verschrumpelte Etiketten.

Daraus ergibt sich eine für den Heimgebrauch ‘ideale’ relative Luftfeuchtigkeit von ca. 60 bis 70 Prozent. Bei zu geringer Luftfeuchtigkeit kann der Korken austrocken, bei zu hoher provoziert man die oben erwähnten Probleme.

 

Brauche ich ein aktiv geregeltes Luftbefeuchtungssystem im Weinklimaschrank?

Dies hängt von der Luftfeuchtigkeit und Temperatur im Raum ab, in welchem der Weinklimaschrank aufgestellt ist. Wenn die Luft, welche die Weinflaschen umgibt, während Wochen oder gar Monaten zu trocken ist (kleiner ca. 50%),  können die Korkzapfen austrocknen, was zur Folge hat, dass Sauerstoff in die Flasche eintritt. Sobald dies geschieht, wird der Wein aufgrund der resultierenden  Oxidation innert kurzer Zeit schlecht. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass die Weinflaschen liegend gelagert werden sollen. Der Grund ist, dass der Korkzapfen auf diese Weise innenseitig durch den Wein nass gehalten wird und dadurch auch bei längerer Lagerung dicht bleibt.
Qualitativ gute Korkzapfen ertragen eine Phase trockener Luft besser als Korken minderer Qualität. Leider bewegt sich die Qualiät des Naturprodukts Kork aufgrund Mangel an Rohmaterial tendenziell nach unten.

Die Luftfeuchtigkeit wird in handelsüblichen Weinkühlschränken (auch bei SWISSCAVE) passiv geregelt. Das durch die Kühlung entstehende Kondenswasser wird genutzt, um die gewünschte Feuchtigkeit im Schrank  (60% oder höher) zu erreichen.  Dies funktioniert bei normalen Wohnraumbedingungen gut (ca. 20°C und 50%-60% Luftfeuchtigkeit).
Wenn nun aber die Raumtemperatur, z.B. im Keller, 14 Grad oder kälter ist, kühlt der Weinklimaschrank kaum oder gar nicht mehr. Dadurch wird auch die gewünschte zusätzliche Feuchtigkeit durch Kondensbildung nicht mehr gewonnen. Wenn der Raum noch kälter ist, kommt das im Weinklimaschrank integrierte Heizsystem zum Einsatz. In diesem Fall verschärft sich die Situation, da der Innenraum durch den Heizvorgang trockener gemacht wird. Oder die Raumluft wird während der kalten Jahreszeit schlicht mehr und mehr trocken, was natürlich auch die Feuchtigkeit im Weinklimaschrank nach unten bewegt.

In solchen Fällen ist die passive Befeuchtung mittels Kondensbildung nicht mehr ausreichend oder schlicht unwirksam (wenn nicht gekühlt wird, entsteht kein Kondensat) und eine aktive Luftbefeuchtung sollte in Betracht gezogen werden. Eine solche besteht aus einer Luftfeuchtigkeitsregelung, einem Wasserzerstäuber und einem Wassertank (es wird Wasser von extern zugeführt).

 

Kritische Szenarien mangelnder Luftbefeuchtung

In den folgenden drei Szenarien sollte mittels aktiver Luftbefeuchtung sichergestellt werden, dass die den Wein umgebende Luft auf eine genügend hohe Feuchtigkeit (60% bis 70%) gebracht wird:

Szenario 1:
Normale Raumtemperatur (ca 20° oder höher), jedoch während längerer Zeit (Monate) trockene Luft im Raum (unterhalb ca 45%). Dies trifft tendenziell eher in den Wintermonaten zu.

Szenario 2:
Raumtemperatur ist nur ca 12-16°, und Raumluft bewegt sich während längerer Zeit unterhalb 50-55% rel. Luftfeuchtigkeit.

Szenario 3:
Raum ist während längerer Zeit kalt (unterhalb ca. 10-12°), so dass die integrierte Heizung zum Einsatz kommt.

Ein aktiv geregeltes Luftbefeuchtungssystem (bei SWISSCAVE als Option erhältlich) ermöglicht es dem Benutzer, die gewünschte relative Luftfeuchtigkeit auf einen Wert zwischen 60 und 85% einzustellen. Die intelligente Steuerung stellt mittels Sensoren sicher, dass die benötigte Luftfeuchtigkeit mit Hilfe eines piezo-elektrischen Wasserzerstäubers automatisch erreicht und gehalten wird. Es wird dafür destilliertes oder destillatgleiches Wasser verwendet. Beim Einsatz der aktiven Luftbefeuchtung ist der Wert auf 60 – 65% einzustellen. Eine zu hohe Einstellung kann zur Beschädigung der Etiketten oder zu Schimmelbildung im Schrank führen. Es wird empfohlen, die aktive Luftbefeuchtung in Jahreszeiten mit höherer Luftfeuchtigkeit (55% und darüber) nicht zu verwenden (kein Wasser nachfüllen), um eine zu hohe Feuchtigkeit im Schrank zu vermeiden. Die Feuchtigkeit wird nach oben geregelt, nicht jedoch nach unten (keine Trocknungsfunktion).

 

Auf den Punkt gebracht

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass wenn die Luft für den Menschen bzw. die Atmungswege zu trocken wird, auch die Korkzapfen auszutrocknen beginnen und damit der Wein gefährdet wird.
Bei normalen Wohnbedingungen (Luftfeuchte > ca. 50%, Raumtemperatur 20° oder höher) reicht eine passive Luftbefeuchtung im kühlen Weinklimaschrank üblicherweise aus.

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